Fehlerhafte Medikamentenverordnung – was tun
Es ist ein Gedanke, der uns alle beunruhigt: Wir vertrauen Ärzten und Apothekern unsere Gesundheit an, erwarten korrekte Diagnosen und die richtige Behandlung. Doch was, wenn genau in diesem Vertrauensverhältnis ein Fehler passiert – zum Beispiel durch eine **fehlerhafte Medikamentenverordnung**? Plötzlich steht nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch unser rechtliches Verständnis auf dem Prüfstand. In Österreich haben Patienten Rechte, die in solchen Situationen greifen. Dieser Artikel soll Ihnen Licht ins Dunkel bringen, Ihnen helfen, Ihre Möglichkeiten zu verstehen und zu wissen, was Sie tun können, wenn Sie betroffen sind.
Was genau ist eine fehlerhafte Medikamentenverordnung?
Eine fehlerhafte Medikamentenverordnung liegt vor, wenn ein Medikament falsch ausgewählt, dosiert, abgegeben oder angewendet wird, und dies zu einem Schaden oder einem potenziellen Schaden für den Patienten führt. Das kann verschiedene Formen annehmen:
Beispiele für Medikationsfehler
- Falsche Medikamentenwahl: Ein Arzt verschreibt ein Medikament, das für die Diagnose ungeeignet ist oder bei Ihnen aufgrund bekannter Allergien oder Vorerkrankungen nicht angewendet werden darf.
- Fehlerhafte Dosierung: Das Medikament wird in einer zu hohen oder zu niedrigen Dosis verordnet, was zu Über- oder Unterdosierung mit entsprechenden Folgen führen kann.
- Wechselwirkungsfehler: Ein Arzt verordnet ein neues Medikament, ohne die möglichen gefährlichen Wechselwirkungen mit bereits eingenommenen Medikamenten zu berücksichtigen.
- Verwechslung in der Apotheke: Die Apotheke gibt ein falsches Medikament aus oder verwechselt die Dosierungshinweise.
- Mangelnde Aufklärung: Sie wurden nicht ausreichend über die Einnahme, Nebenwirkungen oder Risiken des Medikaments aufgeklärt.
Wichtig ist, dass nicht jeder unerwünschte Effekt eines Medikaments sofort ein Fehler ist. Medikamente haben Risiken und Nebenwirkungen. Es geht um Fehler, die bei sorgfältiger Betrachtung und Einhaltung medizinischer Standards vermeidbar gewesen wären.
Ihre Rechte in Österreich bei Medikationsfehlern
Als Patient in Österreich genießen Sie umfassende Rechte. Das Patientencharta-Gesetz und andere rechtliche Bestimmungen schützen Sie. Wenn eine **fehlerhafte Medikamentenverordnung** zu einem gesundheitlichen Schaden führt, können verschiedene rechtliche Ansprüche entstehen.
Patientenrechte und Haftungsgrundlagen
Ärzte, Apotheker und medizinisches Personal haben eine Sorgfaltspflicht. Wird diese verletzt und entsteht Ihnen dadurch ein Schaden, kann dies eine zivilrechtliche Haftung nach sich ziehen. Das bedeutet, Sie könnten Anspruch auf Schadenersatz haben.
- Schmerzengeld: Für erlittene körperliche oder seelische Schmerzen.
- Heilungskosten: Für alle zusätzlichen Kosten, die durch den Fehler entstanden sind (z.B. weitere Arztbesuche, Therapien, Medikamente).
- Verdienstentgang: Wenn Sie aufgrund des Fehlers arbeitsunfähig waren und dadurch Einkommen verloren haben.
- Haushaltsführungsschaden: Wenn Sie durch den Fehler Ihre Haushaltspflichten nicht mehr oder nur eingeschränkt wahrnehmen können.
Die Beweislast liegt in der Regel beim Patienten. Sie müssen also nachweisen, dass ein Fehler gemacht wurde, dass dieser Fehler zu einem Schaden geführt hat und dass der Fehler für den Schaden ursächlich war. Das klingt kompliziert – und kann es auch sein.
Praktische Schritte, die Sie unternehmen sollten
Wenn Sie den Verdacht haben, dass eine **fehlerhafte Medikamentenverordnung** vorliegt und Sie dadurch einen Schaden erlitten haben, ist schnelles und überlegtes Handeln entscheidend.
1. Sofortige medizinische Klärung und Dokumentation
- Arzt konsultieren: Suchen Sie umgehend einen anderen Arzt auf, um die Situation medizinisch abzuklären und den Schaden zu behandeln.
- Alles dokumentieren: Bewahren Sie alle Unterlagen auf: Arztbriefe, Rezepte, Medikamentenpackungen, Apothekenbelege, eigene Notizen über Symptome, Behandlungsverlauf und eventuelle Gespräche mit Ärzten oder Apothekern. Machen Sie Fotos, wenn es um sichtbare Schäden geht.
- Zweite Meinung einholen: Eine Zweitmeinung von einem unabhängigen Mediziner kann wertvoll sein, um den Fehler zu bestätigen und die Kausalität zu belegen.
2. Kommunikation und Informationsbeschaffung
- Gespräch suchen (vorsichtig): Sie können versuchen, mit dem behandelnden Arzt oder der Apotheke zu sprechen. Bleiben Sie dabei sachlich und machen Sie sich Notizen über das Gespräch. Achten Sie darauf, keine voreiligen Zugeständnisse zu machen.
- Medizinische Akte anfordern: Sie haben das Recht, Ihre vollständige medizinische Akte einzusehen und Kopien zu erhalten. Das ist entscheidend für die spätere Beweisführung.
3. Rechtsbeistand einholen
Die Materie des Medizinrechts ist komplex. Es geht um medizinische Gutachten, rechtliche Fristen und Beweisführung, die für Laien schwer zu überblicken sind. Ein auf Medizinrecht spezialisierter Anwalt kann Ihnen entscheidend helfen:
- Fallprüfung: Er kann die Erfolgsaussichten Ihres Falles bewerten.
- Beweissicherung: Er weiß, welche Unterlagen benötigt werden und wie man diese rechtssicher einholt.
- Kommunikation: Er übernimmt die Kommunikation mit den beteiligten Parteien und deren Haftpflichtversicherungen.
- Durchsetzung Ihrer Ansprüche: Er vertritt Sie außergerichtlich und, falls nötig, auch vor Gericht.
Fazit: Ihre Gesundheit ist Ihr höchstes Gut
Eine **fehlerhafte Medikamentenverordnung** kann weitreichende und belastende Folgen haben. Es ist wichtig zu wissen, dass Sie in Österreich nicht schutzlos sind und Rechte haben, wenn Ihnen durch einen medizinischen Fehler ein Schaden entstanden ist. Der Weg zu Ihrem Recht kann steinig sein, aber Sie müssen ihn nicht alleine gehen.
Wenn Sie den Verdacht hegen, Opfer einer fehlerhaften Medikamentenverordnung geworden zu sein, zögern Sie nicht, sich frühzeitig Unterstützung zu holen. Eine professionelle Einschätzung Ihrer Lage ist der erste und wichtigste Schritt, um Klarheit zu gewinnen und Ihre Ansprüche durchzusetzen.
Erhalte eine Ersteinschätzung im Medizinrecht.
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